Sehr geehrte Damen und Herren!
Anders als Dominic Johnson empfinde ich Sahra Wagenknecht als ausgesprochen konstruktiv: Sie hat es geschafft, eine Partei zu gründen, die spontan ins Europaparlament eingezogen ist und in drei ostdeutschen Ländern zweistellige Werte erreicht hat. Offenbar trifft ihre These von der Repräsentationslücke in der deutschen Politik zu, und das BSW scheint diese Lücke zu füllen. Talk-Shows schaue ich mir nur noch an, wenn Wagenknecht den Deutschen "die Welt" erklärt, wie Johnson schreibt, alles andere ist einfach zu öde, von Kiesewetter über Hofreiter, Strack-Zimmermann bis Kühnert.
Wagenknecht und das BSW mischen die deutsche Politik auf, das gefällt vielen, die jüngste Wahlbeteiligung war erheblich höher als sonst. Dass Wagenknecht es so lange bei der Linken ausgehalten hat, in der sie permanent angefeindet wurde, finde ich respektabel, sie hat sich damals aber auch einen Burnout eingefangen. Zur inhalltichen Kritik an den Linken hat sie sogar einen Bestseller geschrieben: "Die Selbstgerechten. Mein Gegenprogramm - für Gemeinsinn und Zusammenhalt", es hat nichts genützt, die Vorturner der Linken blieben auf ihrem selbstzerstörerischen Kurs. Die Linke war mit ihrer Anpassung an die Politik der Grünen auf dem absteigenden Ast und fuhr bei der letzten Bundestagswahl magere 4,9% ein. Manche führten das auf Wagenknecht zurück und stellten Ausschlussanträge. Nun ist Wagenknecht weg, aber anders als viele Führungspersonen in der Linken hofften, gewann die Linke keine neue Statur, trotz Carola Rackete als Spitzenkandidatin bei der Europawahl. Ich wünsche dem Bündnis Sahra Wagenknecht alles Gute bei den Wahlen zum Bundestag im nächsten Jahr.
Über eine Veröffentlichung meines Leserbriefes würde ich mich freuen.
Mit freundlichem Gruß
Walter Ruffler, Bremen 3.10.2024